Allgemein

Gewerbeanmeldung für Network Marketing

Wann und wie wird ein Gewerbe angemeldet?

Oftmals haben Gewerbetreibende im Network Marketing nur unzureichende Kenntnisse über Ihre rechtlichen Verpflichtungen und die buchhalterischen Erfordernisse, die die Tätigkeit mit sich bringt. Zurückgehaltene Informationen durch sogenannte Sponsoren gehen diesem Fehlverhalten voraus, weil man seine Interessentengruppe nicht mit Gesetzesregelungen verschrecken will. Man möchte die neuen Interessenten erst einmal ins Geschäft bringen um die Provisionen zu sichern. Das ist aber zu kurz gedacht und kann schnell das Gegenteil bewirken.

So wird die Notwendigkeit der Gewerbeanmeldung oftmals vernachlässigt.

Sie sind als Network Marketer dazu verpflichtet, Ihr Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anzuzeigen. Trotz abweichender Meinungen raten wir, dies vor Aufnahme Ihrer Geschäftsaktivitäten zu tun, doch spätestens 14 Tage nachdem ein Vertrag geschlossen wurde. Zögern Sie die Gewerbeanmeldung zu lang hinaus, und tätigen schon die ersten Umsätze, ist es möglich, dass Ihnen eine Ordnungswidrigkeit zur Last gelegt wird.

Seriös handelnde Network Marketer klären ihre neuen Geschäftspartner darüber schon im Vorfeld auf, welche bürokratischen Abläufe bei Aufnahme einer Selbstständigkeit erforderlich sind. Auf der anderen Seite, signalisiert es auch gleichzeitig die Ernsthaftigkeit eines Interessenten, seine zukünftige Selbstständigkeit professionell und ehrlich zu betreiben.

Was sollte in der Gewerbeanmeldung stehen?

Neben den allgemeinen Angaben zur Person, ist in die Gewerbeanmeldung ein Geschäftszweck anzugeben. Dieser sollte in etwa folgenden Wortlaut haben:

Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen für […hier sollten Sie den hauptsächlichen Verwendungszweck angeben z.B. Haushaltsreinigung, Körperpflege oder Gesundheitsprävention…], insbesondere […hier können Sie genauer spezifizieren z.B. Vitaminprodukte, Goldschmuck, Parfüm etc…]. Beratung und Verkauf.

Welchen Status habe ich als Network Marketer?

Rechtlich gesehen, sind Sie als Network Marketer ein selbstständiger Gewerbetreibender. Weder sind Sie Agent des Network Marketing-Unternehmens oder Vermittler, noch beitreiben Sie einen Groß- und Einzelhandel.

Daraus folgt, dass Sie allen Verpflichtungen eines selbstständigen Gewerbetreibenden hinsichtlich der Aufzeichnungen über das Geschäft und den steuerlichen Erklärungen nachkommen müssen.

Kann ich als Angestellter auch Network Marketing betreiben?

In der Regel ist dies möglich. Es gilt jedoch auf dreierlei zu achten. Zum einen sollten Sie in Ihren Arbeitsvertrag schauen, ob dieser eine nebenberufliche, selbstständige Tätigkeit ausschließt. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Sie darauf achten, dass Ihre Tätigkeit im Network Marketing nicht in direkter Marktkonkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber steht. Wenn Sie diese beiden Punkte ausschließen können, ist lediglich noch darauf zu achten, dass Ihre Tätigkeit im Network Marketing nicht zu Lasten Ihrer hauptberuflichen Beschäftigung fällt. Sorgen Sie für gute Leistungen in Ihrem Angestelltenverhältnis und Sie sollten keine Schwierigkeiten bekommen. 

Einkommens- und Umsatzsteuer

Die aus Ihrem Geschäft erzielten Erträge unterliegen der Einkommenssteuer und ab einer vom Gesetzgeber festgelegten Grenze, auch der Gewerbesteuer. Einmal jährlich ist eine Einkommenssteuererklärung entweder durch Sie oder durch Ihren Steuerberater abzugeben, in der alle Einkünfte dokumentiert werden müssen. Es ist ratsam, diese Aufgabe einem Profi zu übertragen, da der Dschungel der steuerlichen Vorschriften von einem Laien nur schwer durchschaubar ist. Darüber hinaus haben Sie den Vorteil, sich voll und ganz um den Aufbau Ihres Geschäftes kümmern zu können.

In der Regel sind Sie als selbstständiger Gewerbetreibender umsatzsteuerpflichtig d.h., dass Sie auf den von Ihren gestellten Rechnungen die Umsatzsteuer auszuweisen haben. Haben Sie Umsatzsteuer in direkten Zusammenhang mit Ihrem Network Marketing-Geschäft zahlen müssen, sind Sie berechtigt, Ihre eingenommene Umsatzsteuer mit der gezahlten Umsatzsteuer zu verrechnen. Sie sind vorsteuerabzugsberechtigt. Sie können sich aber auch für die Kleinunternehmerregelung entscheiden. Das ist unsere Empfehlung an unsere Existenzgründer und Existenzgründerinnen. Die Vorteile erläutern wir gerne in einem persönlichen Gespräch.

Hinsichtlich der Umsatzsteuer sind zwei Unternehmertypen zu unterscheiden. Entweder weisen Sie als Regelversteuerer (wie gerade beschrieben) die Umsatzsteuer auf Ihren Rechnungen aus und geben pro Monat oder Quartal eine Umsatzsteuer-Voranmeldung bei Ihrem Finanzamt ab. Oder Sie sind als Kleinunternehmer aus Vereinfachungsgründen davon befreit, Umsatzsteuer zu entrichten und Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben.

Regelung für Kleinunternehmer

Die Unterscheidung in umsatzsteuerpflichtige Regelversteuerer und umsatzsteuerbefreite Kleinunternehmer stellt Network Marketing-Firmen vor das Problem, für jeden Gewerbetreibenden unterschiedliche Provisionsabrechnungen, nämlich mit und ohne Ausweis der Mehrwertsteuer erstellen zu müssen. Um diese buchhalterische Herausforderung zu umgehen, besteht für Kleinunternehmer die Möglichkeit, freiwillig auf die Anwendung der Sonderregelung für die Besteuerung von Kleinunternehmen zu verzichten. Sie haben die Möglichkeit, zur umsatzsteuerlichen Regelbesteuerung zu „optieren“. Um dies zu erreichen, muss der Gewerbetreibende bei seinem zuständigen Finanzamt eine entsprechende Erklärung abgeben.

Gleichgültig, ob Sie als Regelversteuerer oder als Kleinunternehmer am Markt agieren, sind die von Ihrem Network Marketing-Unternehmen an Sie ausgezahlten Provisionen bzw. Incentives einkommenssteuerpflichtig und in der Regel auch umsatzsteuerpflichtig. Für die Einkommenssteuer als auch für die Umsatzsteuer gilt, dass Sie als selbstständiger Gewerbetreibender, Aufzeichnungen nach bestimmten Vorschriften anzufertigen haben. Diese Aufzeichnungen erfolgen für gewöhnlich im Rahmen der Buchführung.

Mehr Freiheiten als UnternehmerIn

Sicherlich müssen Sie als selbstständige*r Gewerbetreibende*r einige Formalitäten beachten. Doch haben Sie alle Vorteile eines Unternehmers. Sie haben einen maximalen Entscheidungsfreiraum hinsichtlich der Gestaltung Ihres Geschäfts und Ihrer Arbeitszeit. Außerdem können Sie – als ein Vorteil unter vielen – mit Ihren Umsätzen bzw. Gewinnen, selbstständig vermögensbildende Anlagen tätigen. Ihnen geht kein Geld „verloren“, was ansonsten der gesetzlichen Rentenversicherung zufließen würde.

Das freie Unternehmertum bietet eine Reihe von Entfaltungsmöglichkeiten, die eine versicherungspflichtige Anstellung unterbindet. Wir möchten dazu auffordern, sich mit diesen Freiheiten vertraut zu machen und sie zu nutzen.

Weiterführende Informationen

Weiter Hinweise zur Gewerbeanmeldung finden Sie auch hier. Für Existenzgründer bieten wir unseren Mitgliedern einen besonderen Service. Bei einer Gründung aus der Arbeitslosigkeit stellen wir mit Businessplan und fachkundiger Stellungnahme hier weitere Informationen bereit.

Wer sich tiefer in das Themas rund um Network Marketing und Selbstständigkeit einlesen möchte, dem empfehlen wir unsere Aus- und Weiterbildung. Das Buch DIE BASISAUSBILDUNG zum zertifizierten Fachberater.

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