Nachteile einer emotionalen Bindung an sein Network Marketing-Unternehmen

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Emotionale Bindung an Network-Firmen verhindert rechtzeitige Trennung

Was Rechtsanwälte über die negativen Folgen einer „blinden“ Verbundenheit zum Network Marketing-Unternehmen berichten können.

Rechtsanwälte, die seit Jahren Networker, aber auch Unternehmen im Bereich Network-Marketing, beraten und vertreten, haben leider schon öfter beobachtet, dass auch diese Branche von Wirtschaftskriesen und vor einem schlechtem Management nicht verschont bleibt.

Obwohl es in der Regel nicht an der Motivation der Networker oder an der Qualität der Produkte mangelt, scheitern einige Firmen und müssen schlussendlich Insolvenz anmelden oder ihre Tätigkeit einstellen. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein. Es kommt sogar vor, dass Firmen das dynamische Wachstum nicht mehr organisatorisch in den Griff bekommen und dabei die vielfältigen Arbeitsbereiche nicht mehr Händeln oder finanzieren können. Die Firma muss zum Schaden der Networker / Geschäftspartner aufgeben.

Dies hat in der Vergangenheit schon öfter dazu geführt, dass sowohl kleine als auch große Networker vor dem finanziellen Ruin standen.

Oft ist es so, dass die Networker erst dann den Weg zum Rechtsanwalt suchen, wenn die Firma bereits in Abwicklung ist. Häufig ist es dann für das Vorgehen gegen eine Firma zu spät. Auch Klagen, die dann noch erfolgreich geführt werden, bleiben für den Networker wirtschaftlich ohne Erfolg. Hintergrund ist, dass aus dem Urteil dann nicht mehr vollstreckt werden kann. Allenfalls können die Ansprüche zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Ob das Anmelden dazu führt, dass der Networker noch sein Geld sieht, ist sehr fraglich. In der Regel bekommt er allenfalls eine Quotelung, die nicht einmal ansatzweise seinen Schaden deckt.

Wenn die Provisionen nicht gezahlt werden …

„Die Networker, die mit derartigen Problemen konfrontiert werden, sitzen häufig aufgelöst und ungläubig vor uns als Anwälten und können selbst kaum fassen, was passiert ist. In der Regel ist es so, dass sie ihre Provisionen monatelang gar nicht, nicht vollständig oder viel zu spät erhalten haben. Oft kam es bei den Produkten zu Lieferschwierigkeiten. Sie seien immer wieder vertröstet worden mit unterschiedlichen Ausreden. Teilweise werden sie hingehalten mit Auskünften wie etwa: „Die IT macht Probleme.“ Teilweise wird an ihre Loyalität appelliert und man bittet um etwas Geduld. Übersehen wird dabei, dass auch der Networker laufende Kosten hat, die er zu begleichen hat.“

Das Problem ist, dass es in derartigen Fällen dann nicht mehr nur um die Provisionszahlung aus einem Monat geht, deren Schaden schon schlimm genug wäre. Vielmehr addieren sich die Beträge schnell in den fünfstelligen Bereich. Auf Rückfrage, warum die Networker nicht früher tätig geworden sind und ihre Ansprüche geltend gemacht haben oder warum sie nicht die Reißleine gezogen und die weitere Zusammenarbeit beendet haben, erhalten wir in der Regel keine logische Antwort. Vielmehr sind die Antworten sehr emotional geprägt. Fast nie erklärt ein Networker, dass er die Gefahr nicht habe kommen sehen. Vielmehr laufen die Networker in der Regel „sehenden Auges“ in ihr Unglück.

Das passive Verhalten der Networker verwundert im ersten Moment umso mehr, wenn man weiß, dass der typische Networker sich dadurch auszeichnet, dass er aktiv ist und durch Tatendrang überzeugt. Die Gründe für das Phänomen liegen vermutlich tiefer.

Networker fühlen sich für Downline verantwortlich

Wir haben für uns folgende Erklärung gefunden:

Der/die Networker/in ist Geschäftsmann oder -frau und hat in erster Linine das Geschäft im Auge. Anders als in anderen Vertriebswegen ist das aber nicht alles, was den Networker interessiert. Vielmehr zeichnet sich ein Networker dadurch aus, dass er mit Spaß und Überzeugung arbeitet. Er motiviert täglich neue Menschen und zeichnet sich durch große Überzeugungskraft aus. Die Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, sind nicht nur Marionetten, die er über unpersönliche Bewerbungen mit in sein Geschäft gebracht hat. Das Gegenteil ist der Fall. Der Networker arbeitet täglich mit seinen Freunden zusammen, die er teilweise schon seit Kindestagen kennt. Neben Freunden werden häufig auch Familienmitglieder, Nachbarn und andere nahestehende Personen Geschäftspartner in der eigenen Downline.

Wie in jedem Geschäft investiert auch ein Networker finanziell in sein Geschäft. Auch wird in der Regel viel Freizeit und Herzblut in das Geschäft gesteckt. Der Networker, der sich eine Downline aufgebaut hat, empfindet auch für die Personen eine freundschaftliche Verbundenheit, die er erst durch das Geschäft kennengelernt hat. Er fühlt sich verantwortlich für seine Downline und möchte mit Rat und Tat zur Seite stehen und als Vorbild voraus gehen.

Wenn der Networker aber erkannt hat, dass das Geschäft, das er einst seinen Freunden aus tiefster Überzeugung ans Herz gelegt hat, nicht mehr funktioniert, ist er in einer Zwickmühle. Er weiß, dass seine Freunde ihrerseits Geld investiert haben, nicht zuletzt, weil sie dem Networker vertraut haben. Sie hoffen sich mit dem Geschäft kleine oder größere Wünsche erfüllen zu können. Wendet sich der Networker von der Firma ab, hat er das Gefühl, auch seine Freunde im Stich zu lassen. Er kann sich dann nicht mehr um die Downline kümmern und seine Versprechen nicht mehr einhalten. Er muss also eine schwerwiegende Entscheidung treffen.
Juristische Gefahren

Erschwert wird die Entscheidung dadurch, dass dem Networker auch aus juristischer Sicht die Hände gebunden sind. Äußert er Mutmaßungen wie etwa „ich sehe eine Insolvenz kommen“ oder „die Firma ist nicht mehr zahlungsfähig“ muss er mit kostenintensiven Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen rechnen. Selbst wenn sich sein Verdacht in der Zukunft vielleicht bestätigt, wird er dies zu einem frühen Zeitpunkt nicht beweisen können. In diesem Moment hat er nicht nur Geld, sondern auch seine Glaubwürdigkeit verloren. Aber auch in dieser schwierigen Situation gibt es Formulierungen, die der Networker äußern darf, die juristisch nicht angreifbar sind.

Nicht zuletzt ist es so, dass der Networker sich tatsächlich durch sehr hohe Loyalität auszeichnet. Viele Networker kennen aus dem eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis die Situation, in der es zu Zahlungsengpässen kam. Ein kurzfristiges Tief bedeutet nicht zwingend ein Ende in der Insolvenz. Der Networker will die Firma, für die er arbeitet, unterstützen und bemüht sich besonders – anstatt ihr den Rücken zu kehren. Damit verpasst der eine oder andere leider den richtigen Zeitpunkt der Trennung vom Unternehmen.

Was also ist der Rat, den wir Networker erteilen können?

Ganz simpel: Jeder Networker sollte stets mit offenen Augen und Ohren sein Geschäft führen. Sicher wäre es falsch, bei einem einzigen Problem sofort aufzugeben oder die Firma zu wechseln. Kommt es aber zu massiven Problemen, muss zwingend reagiert werden. Werden zum Beispiel Provisionen nicht rechtzeitig bezahlt, ist das ein Alarmsignal. Weder dem Networker noch der Downline ist damit gedient, wenn alle gemeinsam sehenden Auges in ihr finanzielles Unglück laufen. Reagieren Sie also frühzeitig, werden Sie aktiv. Nur so schützen Sie sich und Ihre Downline erfolgreich!

Zur Auswahl des richtigen Unternehmens haben wir eine Checkliste bereitgestellt. Network Marketing-Firmen, die schon länger am Markt aktiv sind, bekommen seltener Probleme, als jüngere Unternehmen.

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